Geschwungener Bogen als gestalterische Grafik

Was versteht man unter Naturheilverfahren und ganzheitlicher Medizin?

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Das Naturheilverfahren oder auch die Ganzheitliche Medizin umfasst ein breites Spektrum verschiedener Methoden, welche die körpereigenen Fähigkeiten zur Selbstheilung (Spontanheilung) aktivieren sollen. Sie bedienen sich bevorzugt in der Natur vorkommender Mittel oder Reize.

Dabei gibt es verschiedene Naturheilverfahren, die zum Einsatz kommen können:

  • Phytotherapie (Pflanzenheilkunde)
  • Ernährungstherapie
  • Balneophysikalische Therapien
  • Bewegungstherapie
  • Ordnungstherapie

Je nach Verfahren wirken die Therapien anregend, kräftigend, regulierend, erhaltend oder schützend auf die Selbstregulations-, Selbstordnungs- und Selbstheilungskräfte des menschlichen Organismus.

Erweitert werden die „klassischen“ Naturheilverfahren durch einige weitere naturheilkundliche Behandlungsmethoden, die sich durch Ihre Wirkung als aktive Regulationstherapien auf verschiedenen Ebenen auszeichnen.

Naturheilverfahren für langfristige Therapieerfolge

Viele der chronischen Krankheiten lassen sich mit der konventionellen Medizin nur unzureichend behandeln und sind bei Langzeittherapien mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Das kann von Magen-Darm-Blutungen, Störungen des Immunsystems, bis Hautveränderungen und Nierenschädigungen reichen. Hier findet sich das Haupteinsatzgebiet der Ganzheitlichen Medizin und der Naturheilverfahren.

Bei welchen orthopädischen Erkrankungen kommt das Naturheilverfahren zur Anwendung?

Weitestgehend alle akuten und chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparates lassen sich auch mithilfe verschiedener Naturheilverfahren behandeln.

Insbesondere bei den folgenden Erkrankungen wird in unserer orthopädischen Praxis häufig die ganzheitliche Medizin mit verschiedenen Naturheilverfahren eingesetzt:

  • Akute und chronische Erkrankungen des Bewegungsapparates (wie beispielsweise Arthrose, Überlastungssyndrome, oder auch Sportverletzungen)
  • Schmerzhafte Verspannungen in allen Abschnitten der Wirbelsäule
  • Psychosomatische Erkrankungen und die daraus folgenden Schmerz- und Stresszuständen (hierzu zählen zum Beispiel Fibromyalgie, Depressionen oder auch das Burn-Out-Syndrom)
  • Diverse Nervenreizungen
  • Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises mit ihren Schmerzschüben und Funktionsstörungen des Bewegungsapparates
  • Osteoporose
  • Schmerzen, bei denen für die üblichen schulmedizinischen Therapieverfahren Gegenanzeigen bestehen oder die der Patient nicht wünscht (wie zum Beispiel Schmerzmittel oder Kortisonbehandlungen)

Welche Behandlungsmethoden werden in der Naturheilkunde genutzt?

Zusätzlich zu den klassischen Naturheilverfahren werden auch viele weitere Behandlungsmethoden aus der Naturheilkunde angewendet. Durch die Kombination mehrerer Therapieverfahren können diese ihre vollständige Wirkung entfalten.

Die bei uns am häufigsten genutzten Maßnahmen aus den Naturheilverfahren sind folgende:

Eigenbluttherapie PRP (Plättchenreiches Plasma)

Die Eigenbluttherapie zählt im Rahmen der Naturheilverfahren zu den sogenannten Reizkörpertherapien. Diese sollen die Regulationsfähigkeit des Körpers anregen. Hierfür wird dem Patienten Blut abgenommen, welches daraufhin zentrifugiert wird.

Die Blutplättchen und entzündungshemmenden Wirkstoffe sammeln sich während dieses Vorgangs oben. Dieser Blutanteil wird dann mithilfe einer Injektion in Sehnen, Muskeln und andere betroffene Stellen injiziert. Zur Behandlung von Arthrose wird die Eigenbluttherapie häufig auch mit Hyaluronsäure kombiniert.

Generelle Anwendungsgebiete der Eigenbluttherapie sind entzündliche und akute Vorgänge, Erschöpfungszustände und chronische Erkrankungsverläufe. Gute Behandlungserfolge erzielt diese Therapie insbesondere bei arthrotischen Gelenksreizungen oder Sportverletzungen.

Hyaluronsäuretherapie zur Arthrosebehandlung

Hyaluronsäure findet ebenfalls seine Anwendung in den Naturheilverfahren. Es ist eine natürliche und vor allem körpereigene Substanz, die im menschlichen Körper in vielen Organen (Haut, Augen, Gelenken) wichtige physiologische Aufgaben erfüllt. Durch Hyaluronsäure behält die sogenannte Gelenksschmiere ihre Konsistenz und ihre stoßdämpfende Funktion.

Zusammen mit anderen Substanzen bildet die Hyaluronsäure im Knorpelgewebe große, wasserspeichernde Riesenmoleküle. Durch diese wird die stoßdämpfende Qualität des Knorpels erhöht und nach deren Injektion bilden sie eine ähnliche Substanz wie die Gelenksschmiere. Für bestmögliche Ergebnisse sind im Abstand von einer Woche in der Regel drei bis fünf Injektionen notwendig.

Stoßwellentherapie (ESWT)

Die Stoßwellentherapie wird ebenfalls in der Naturkunde angewandt und zählt zu den nicht-invasiven Therapieformen und arbeitet mit hochenergetischen, kurzen akustischen Schallwellen. Diese dringen in tiefer gelegene Körperregionen und setzen dort gezielt ihre Energie frei, ohne die Haut, das Fettgewebe oder die Muskeln darüber zu beschädigen.

Das Hauptanwendungsgebiet der Stoßwellentherapie sind Erkrankungen des Bewegungsapparates. So können bei Verkalkungen in der Schulter krankhafte Kalkablagerungen durch die Stoßwellen aufgelöst, die Schmerzen gelindert und die Beweglichkeit wiederhergestellt werden.

Bei der Behandlung des Tennisarms kann die Stoßwellentherapie die Regenerationsvorgänge der in Mitleidenschaft gezogenen Streckersehnen des Unterarms unterstützen. Dadurch werden auch hier – wie bei den übrigen Methoden der Naturheilkunde – die Schmerzen gelindert und die Beweglichkeit gefördert. Dieselbe Funktionsweise kommt beim Fersensporn zum Einsatz. So können die betroffenen Bereiche wieder besser belastet werden.

Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Triggerpunktbehandlung. Als Triggerpunkte bezeichnet man dauerhaft verkürzte Muskelfasern. Diese sind als schmerzhafte Punkte im Muskel tastbar und führen oft zu Bewegungseinschränkungen. Normalerweise sind für gute Ergebnisse drei bis fünf Anwendungen im Abstand von einer Woche notwendig.

Akupunkturverfahren in der Naturheilkunde

Die Akupunktur stellt ein Teilgebiet der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) dar und ist eine sehr effektive und nebenwirkungsfreie Methode zur Behandlung verschiedenster Beschwerden, nicht nur in der Naturheilkunde. Bei der Akupunkturtherapie werden über die verschiedenen Akupunkturpunkte die körpereigenen Regulationssysteme angesprochen.

Diese Akupunkturpunkte sind auf den sogenannten Meridianen angeordnet, wodurch mithilfe der Akupunkturtherapie Einfluss auf die fließende Lebensenergie, das „Qi“, genommen werden kann. Die Anwendungen sollten in 12 bis 15 Sitzungen zweimal pro Woche durchgeführt werden.

Lokale Infiltrationstherapie

Zur Behandlung von chronischen oder akuten Schmerzen in der Naturheilkunde im Rahmen der Schmerztherapie werden häufig auch Injektionen angewandt, die sich aus schmerzlindernden und entzündungshemmenden Wirkstoffen zusammensetzen.

Oft wird hierbei auch Kortison eingebunden. Dieses kann aber in vielen Fällen auch durch einen homöopathischen Zusatz ersetzt werden, welche ebenso eine antientzündliche Wirkkomponente beinhalten. Durch die ausbleibenden Nebenwirkungen ist es allerdings möglich, diese Injektionen wesentlich häufiger durchzuführen.

Neuraltherapie mit Procain

Die Neuraltherapie ist eine weitere Methode in den Naturheilverfahren. Hierbei werden Lokalanästhetika zu therapeutischen Zwecken injiziert. Diese Vorgehensweise ist für viele orthopädische Krankheiten geeignet. Im Wesentlichen wird bei der Neuraltherapie differenziert in

  • Segmenttherapie
  • Störfeldtherapie nach Huneke
  • Therapeutische Lokalanästhesie (TLA)

Die Behandlungen werden im Abstand von jeweils einer Woche in sechs bis zehn Sitzungen durchgeführt.

Infusionsbehandlung in der Naturheilkunde

Manchmal kommt es dennoch vor, dass die lokalen Anwendungen nicht ausreichen oder die Beschwerdesymptomatik den ganzen Organismus betrifft. Dann kommen oft auch Infusionsbehandlungen zum Einsatz.

Hierbei kommen im Rahmen der Naturheilverfahren verschiedenste Wirkstoffe zum Einsatz, wie beispielsweise Spurenelemente, homöopathische Mittel, Vitaminaufbaupräparate, sowie schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente. Die Anwendung umfasst fünf bis zehn Infusionen bis zu zweimal in der Woche.

Chirotherapie

Oft werden Funktionsstörungen der Bewegungsorgane durch Störungen ausgelöst, die auf den ersten Blick keinen Bezug zu den Bewegungsorganen haben. Gerade im Bereich der Wirbelsäule. Die Chirotherapie bietet aus therapeutischer und diagnostischer Sicht die Möglichkeit, Funktionsstörungen zu erfassen und zu behandeln, die sich durch bildgebende Verfahren häufig gar nicht feststellen lassen.

Balneophysikalische Therapien

Unter dem Begriff Balneophysikalische Therapien versteht man in den Naturheilverfahren externe Hydro- und Thermotherapien, welche sich durch thermische Reize, Wasserdruck oder auch Hautkontakt auf das vegetative Nervensystem auswirken.

Dadurch werden sowohl die Muskulatur als auch die Blutgefäße und der Stoffwechsel beeinflusst. Zudem werden der Stoffwechsel und der Kreislauf angeregt, die Schmerzen werden effektiv gelindert und der Organismus gestärkt und somit weniger anfällig für neue Erkrankungen.

Mit gezielt eingesetzten Temperaturunterschieden setzt der Therapeut Reise, die im Körper eine bestimmte Gegenregulation hervorrufen. Dabei spielt die Reizintensität eine große Rolle. Sie ist auf das Befinden des Patienten, die jeweilige Erkrankung und auf die individuelle Reaktion abzustimmen.

Für zuhause eignen sich ähnliche Formen der Anwendung, wie beispielsweise Heusackauflagerungen, Quarkwickel, oder auch externe Anwendungen im Rahmen von Funktionstraining, Saunagängen oder Rehasport.

Phytotherapeutika in den Naturheilverfahren

Der Oberbegriff der Phytotherapeutika umschreibt die Anwendung von Heilpflanzen in unterschiedlichen Darreichungsformen. Sogenannte Phytopharmaka sind somit Präparate, die Inhaltsstoffe pflanzlicher Herkunft beinhalten, in mehr oder weniger angereicherter Form.

Sie können als Einreibungen, Wickel oder auch in Form von Bädern angewandt werden. Ebenso weit verbreitet ist die interne Anwendung als Teezusätze, Tabletten oder Kapseln. Auch enzymatische Präparate, wie z.B. ein Ananasextrakt werden zu dieser Behandlungsart hinzugerechnet.

Naturheilverfahren im Funktions- und Rehasport

Bei fast allen orthopädischen Erkrankungen spielen Bewegungstherapien und sportliche Aktivitäten eine entscheidende Rolle. Der Rehasport und das Funktionstraining stellen eine Unterform der Bewegungstherapie da, die häufig Anwendung finden.

Beide haben als vorrangiges Ziel, den Patienten zu mehr eigenverantwortlichem und selbstständigem Training zu motivieren, um seine Gesundheit zu stärken. Auf Antrag werden sowohl der Rehasport als auch das Funktionstraining von fast allen Krankenkassen übernommen.

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